Narrative im Wandel

Wenn der Phoenix Dein Herz und Deinen Geist küsst

Narrative bewegen die Welt, geben Sinn, Orientierung.
Sie tragen die Gesellschaft, den einzelnen Menschen, bauen auf, stabilisieren, tragen und (können) manipulieren.

(Definition Narrativ nach dem deutschen Duden: [verbindende] sinnstiftende Erzählung, Geschichte)

Immer deutlicher ist zu beobachten, wie offensichtlich Narrative bewusst aufgebaute Lügen sind, welche mit manipulierender Absicht eingesetzt werden.
Das ist keine neue Erscheinung, doch die Schamlosigkeit der Desinformation, der Lügen, der manipulierenden Narrative wird immer absurder, und sie zersetzt zunehmend die Ethik und das Gewebe menschlicher Werte und Rechte.
Wie lange werden Menschen diesen Narrativen zuhören, sich wehrlos, mit weit aufgerissenen Augen und ängstlichen Herzen, dem aussetzen?
Und was geschieht gleichzeitig im eigenen «Space», während die Mächtigen die Narrative verhärten, immer schneller und skrupelloser erfinden und konstruieren?

Was geschieht in deinem Raum?
Werden die Narrative auch klarer, schwarz-weißer?
Folgt die Härte in deinen Raum?
Oder geschieht eine Auflösung, eine Transparenz, beginnt eine freiere Sicht?
Brechen Muster auf und werden neue Perspektiven möglich?
Hat der Phönix dich in tiefer Nacht gerufen und dein Herz und deinen Geist geküsst?

In mir begann plötzlich der Boden aufzugehen.
Die Auflösung und das Transparenterwerden der in mir wirkenden, persönlichen, auf das Leben bezogenen Narrative ist bestimmt gefördert durch die Auswanderung.
Aber ist es nur dies?
Seit einigen Wochen kommt eine neue, luzide Qualität zustande: mehr sehen, mehr erkennen, und dabei lösen sich Narrative auf, die früher als heilige Texte, in heiligen Büchern niedergeschrieben waren – in goldener Schrift, auf heiligem Gewebe, sorgfältig und liebevoll aufgetragen und aufbewahrt oder hinter Glas an heiligen Orten an Wänden hingen.
Heilige Schriften, Glauben, verlässliche Konstrukte, Ursache und Wirkung, Boden.

Es ist nicht einfach zu beschreiben, es arbeitet gleichzeitig an allen Narrativen, die mein Leben bisher erklärt und zusammengehalten haben.
Ich kann sie plötzlich wie im Wind flatternde Spruchbänder sehen und lesen und darüber nachdenken, und es ist nicht mehr einfach eine festgelegte Annahme und ein Glauben, der bisher meine Welt gehalten hat, wie vier zuverlässige Stuhlbeine.
Ist mein Leben ein Stuhl, der vier Stuhlbeine braucht?
Kann mein Sein nicht auch schweben, seine Flügel erheben und wie eine weiße Gans um die Welt fliegen?

Und bei einigen Narrativen löst sich im Flattern des Windes das Gewebe auf, und es bleiben die einzelnen, freien Fäden, dahingehend, bis sie frei wirbelnd davongetragen werden.
Und die Auflösung fühlt sich frei und leicht an im Kopf, weit im Herz.
Ekstatische Erweiterung.

Und dann kommen heilige Geschichten, die Wunden, das Vulnerable unseres Herzens, unseres Körpers, unserer Familie, unserer Gesellschaft.
Verbote, Tabus, Schuldgefühle, die entstanden sind, um das Ungeheuer zu bannen, um die Wut, den Hass, das Tabu, den Bruch, den Sprung, den Wahnsinn, den Schmerz, die Wunde, das Trauma zusammenzuhalten wie eine harte Paketschnur.

Und wenn diese Bücher sich öffnen und lüften, wird es wirr, wird es unerträglich.
Dann geht der Boden auf, freier Fall ins Nichts oder ins All?

Das All ist unendlich und schwebt, dies kann beängstigend sein, wenn der Mensch das Narrativ hat, dass es Schwerkraft braucht, die altbekannte Ordnung und den Glauben, wie es bisher immer wahr war.

Hab keine Angst, wenn deine heiligen Bücher sich jetzt öffnen und lüften.
Lass es zu.
Nimm an, was aufsteigt, es kann wehtun, an deine Grenzen gehen, und der Wahnsinn steht gefühlt mit seinem Atmen in deinem Rücken.
Und du möchtest rennen.
Verkennung, Verwirrung und tiefe Trauer können auftreten.

Super gut, es kommt, du beginnst wieder zu atmen.
Jetzt ist es gut, jetzt kann es geschehen.

Denn wo Dunkelheit ist, ist auch Licht.

Wir leben in einer polaren Welt.
Wo es Verdichtung gibt, gibt es auch die Qualität der Auflösung, der Transparenz, der Toleranz, neuer Weite und des Friedens.
Und dies führt über die Schwelle von Schwarz und Weiß in die Liebe.
Liebe ist nicht polar, Liebe ist allumfassend, eine Umarmung, die nichts und niemanden ausschließt.
Auch diese Aussage ist ein Narrativ.

Lass es leicht im Wind wehen, fühle es mit deinem Herzen, mit deinem wachen, freien Bewusstsein … die Fäden sind immer bereit, sich zu entfädeln und zu verweben, zu einem neuen Gewebe.
Nichts muss für immer sein.
Jede Wahrnehmung und jede Erkenntnis ist nur ein Flügelschlag auf dieser Reise des Lebens, die uns für einen Moment trägt.

Wenn du jetzt solche Prozesse erlebst und dich leichter und wendiger erlebst, genieße es.
Wenn es dir den Boden nimmt, bleibe dabei.
Es löst sich nur Struktur auf, das, was bisher das Leben gestärkt, gestützt, geformt, bestimmt und dominiert hat.
Die Essenz bleibt.
Das Gerüst löst sich auf, und das pure, nackte Leben kommt hervor.

Wenn du fällst, fällst du nur aus der Struktur.
Dies kann zuweilen viel Angst auslösen, wenn das, was unter der Struktur gebannt war, wieder spürbar wird, dann hole dir Begleitung.
Gönne dir zum Ausgleich Ruhe, Schlaf, sanfte Bewegung, viel Wasser und
schone dein Nervensystem, dein psychisches Gewebe, das so viel arbeitet.

Du fällst nicht, du wirst neu getragen, nicht von einem Ersatz, sondern von einem neuen Wachsein, einer neuen geistigen und emotionalen Wendigkeit, welche dich nicht nur auf der Erde wandeln lässt, sondern symbolisch durch das ganze All.
Durch den luftleeren Raum, das Nichtwissen, das Sehen, das Erkennen und das Nicht-festhalten-Müssen.

„Wendig, wendig ist die Zeit, und du darfst diese Qualität entdecken und erleben.
Es geht weiter, du gehst nicht unter.
Genieße das Schweben, die neue Art, durch das Leben zu gehen.“

Schaue hin, erlebe, wie weit die Welt und dein Blick werden, wie viel du sehen kannst.
Wie dehnbar, wie transparent Gedanken, Erzählungen sind, wie sie mit deinem Erleben mitkommen und nicht mehr in heiligen Büchern, hinter Glas, an der Wand stagnieren müssen.
Atme.
Geschichten, die uns verbinden, die uns Halt und Orientierung geben, dürfen lebendig sein, atmen, sich wandeln.
Darfst du es fühlen, wenn der Wind durch dein Haar weht und sanft die Strähnen löst und frei flattern lässt?

Es muss nichts über Bord geworfen werden, was bisher Halt, gute Verbindung schuf, in dir, in Beziehungen und in der Gesellschaft.
Es darf atmen.
Es darf atmen, wie du atmest, wenn der Wind dein Haar durchströmt, deine Stirn sanft erlöst von zu viel Denken und Druck.

Streife, gleite, schwebe.
Immer wieder, nicht schwarz oder weiß, nicht ganz oder gar nicht.
Wirf nichts über Bord, genieße das Schaukeln des Bootes im All, schwebe beim Beobachten und fühle alles.
Lass den Wind durch dein Haar streichen.
Es gibt keine Unordnung, genieße das Streichen und Loslassen, das Fühlen.
Sei und nimm wahr, lasse zu.

Und wisse, alles ist unvollkommen, kein menschliches Narrativ stimmt für immer.
Es ist unser Blick, unser Atem, unsere vorübergehende Erkenntnis.

Wenn du dies weißt, wirst du weicher, kannst du immer wieder neue Muster erkennen, fühlen oder einfach nur mit dem Muster sein, das du in den Wolken erkennst an diesem Tag, im Rauschen der Bäume, in der Weichheit des Mooses, in den Gezeiten der Wellen …
mit dem guten Gefühl deiner Füße, wenn sie über die Erde gehen, dem Gefühl in deinem Herz, wenn du einen Blick austauschst.

Das Gefühl in deinem Körper, deinem Atemrhythmus.
Dem Frieden, mit dem du einschläfst, wenn du dich nicht den Erzählungen der Menschen anvertraust, sondern dich durch das Weichwerden deines Geistes einer größeren Wahrheit hingibst, die hinter allem immer da ist und bleibt und dich immer tragen wird.