Grenzen haben als hochsensitiver Mensch
Wie kann ich als hochsensitiver Mensch, welcher Entgrenzung als natürlichen Zustand empfindet, der es liebt meiner Wahrnehmung nachzugehen, bei mir bleiben?
Wie kann ich mit der Welt verbunden sein, ohne mich zu verlieren?
Wie viele von uns hochsensitiven, empathischen und sensitiven, wahrnehmenden Menschen haben Mühe damit, den eigenen Raum zu halten, Grenzen zu haben.
Hier in Bali, wurde ich durch die starken Energien und Geistwesen dieser Insel,
in neuer Weise auf dieses Thema gestoßen.
Deshalb möchte ich mein Erleben in Bali als Hintergrund für das Thema Grenzen durch Integrität wählen.
Es ist hier in Bali nicht «nur» eine Philosophie, eine Betrachtungsweise oder religiöse Haltung, dass es viele Geistwesen gibt, es ist eine Realität, dass in diesem Bewusstseinsfeld viele geistige Wesen sehr erdnah den Alltag bereichern.
Dies durfte ich in meinem ersten Wohnort, einem traditionellen Haus in Kedewatan, einem kleinen Dorf, in der Nähe von Ubud erleben.
Geistwesen sind fast schon tastbar anwesend, verschieben Dinge und machen sich durch Energiefelder der wohligen Wärme oder auch der Unruhe, Schwindel, den sie erzeugen, sehr deutlich bemerkbar.
Zuerst war es meinerseits ein: «Oh, aha!» Es war ein; ich komme nach Hause, in eine Welt, in welcher der Schleier fast nicht vorhanden ist. Eine alte Sehnsucht der Kindheit, nach der geistigen Welt, sie noch unmittelbarer zu erleben, dort zuhause zu sein, hat sich gemeldet und mich einen Moment eingenommen.
Doch bald habe ich gespürt, wie fremd ich in der hinduistischen Religion und ihrem Bewusstseinsfeld bin und die Geistwesen sich hier ganz anders anfühlen, einen anderen Glauben haben, ein anderes System. Und aus Respekt, habe ich sie wahrgenommen und mich mit ihnen energetisch ausgetauscht, aber ich habe mich zurückgehalten, mit meiner Haltung, meinen Sichtweisen.
Auch als es sich um ein unerlöstes Wesen, die Gestalt eines einsamen, stillen Mannes in meinem Haus handelte, der mir zeigte, wie er gestorben ist.
Er hat mich nicht geängstigt, aber seine Anwesenheit hat mich atmosphärisch eingenommen. Ich konnte nichts tun, aus Achtung, seiner Religion, seinem Bewusstsein, seinem System gegenüber.
Ich habe mich bei meinem Auszug mit einer Gabe verabschiedet.
Und mich kaum traut, ihm zuzuflüstern, dass er frei sein darf, wenn er das will.
Hier mögen sich die Geister scheiden, aber dies ist meine Art, durch das Leben zu gehen.
Ich werde nie mein Bewusstsein und meine Haltungen und Ausrichten auf andere übertragen, auch wenn es ein Geist ist, außer sie bitten mich darum, meine Haltung sehen zu dürfen.
Die Verbindung zum Geistigen, den Göttlichen, ist das intimste und persönlichste, das aus meiner Sicht ein Mensch in sich trägt und es ist heilig.
Unantastbar.
Bei mir wurde dieses Thema durch das Leben in einem neuen Bewusstseinsfeld nochmals gefordert, es ist aber in keiner Weise an das Erlebnis dieser Art gebunden.
Wir begegnen diesem Thema jeden Tag, wenn wir uns in der Welt mit anderen Menschen bewegen.
Menschen, mit denen wir uns nicht wohl, bedrängt fühlen, Orte oder Situationen, die uns verwirren, stressen uns selbst herausfallen lassen.
Hier, in diesem neuen, starken Energiefeld, wurde es einfach sehr deutlich erlebbar für mich. Bali ist kein neutraler, luftiger Raum, es ist eine dichte und sehr beschriebene Energie. Und es warf bei mir Fragen auf, darf ich mit meiner spirituellen Haltung und Ausrichtung in diesem Bewusstseinsfeld anwesend sein und wirken?
Auch habe ich gespürt, dass es mich zuerst mehr Aufwand gekostet hat, meine innere energetische Struktur und Verbindung zur Quelle so klar auszurichten, wie ich es Zuhause tat.
Warum?
Weil die Geister, das Bewusstseinsfeld es hier nicht erlaubt?
Nein, weil ich mich selbst in Frage gestellt habe, in einem fremden Umfeld, meinem Glauben, meiner Haltung und Ausrichtung treu bleiben zu dürfen.
Ich wollte aus Mit-Fühlen, mit meinem Bewusstsein, vermeiden, jemanden zu missachten. Ich war bemüht, respektvoll zu sein.
Es stellte sich heraus, dass dies kein Mitgefühl ist, sondern eine ungesunde Überanpassung.
Eine meiner Wahrheiten ist, Geister wahrnehmen zu können, aber ihnen aus meiner Haltung heraus nicht dienen zu wollen.
Ich kam in einen Konflikt und es fühlte sich an, als wäre meine innerste Substanz etwas zu sehr aufgewirbelt.
Mein innerstes Heiliges.
Meine Spiritualität.
Wie alles unter einen Hut bringen?
Ich nehme die Geister wahr, ich spüre die Energie und ich achte sie.
Aber wie mit ihnen umgehen, damit wir in einer friedlichen Koexistent sein können, ohne dass ich mich verliere, mir selbst untreu werde?
Du kannst diese Situation auf jede stark beeinflussende Begegnung und Situation in deinem Leben übertragen.
Für mich ist alles Ausdruck der einen Quelle, alles Manifestationen und einige Bewusstseinsfelder, bringen stärkere Geistwesen hervor und andere weniger.
Ich werde nichts dienen, das eine weltliche Manifestation der Quelle ist.
Und Geister sind, auch wenn sie feinstofflich sind, weltliche Manifestationen des Bewusstseins. Und ich nehme an, dass alle Wesen auf der Erde in einem gewissen Maß ein Ego haben.
Ich verneige mich nur, vor Gott, der Quelle, die über jedes Ego schwingt.
Und da ich diesen Prozess sehr ernsthaft eingegangen bin, hat er mich dementsprechend viel Energie gekostet.
Bis ich den erlösenden Satz geschenkt bekam, sage:
«Ich nehme mir diesen Raum.»
Und tue es mit ganzer Integrität, mehr braucht es nicht, um alles zu achten und zu ehren, das existiert.
Dieser Wunder-Satz hat mich sofort bezaubert.
Ich habe sofort gespürt, wie Ruhe eintritt, wenn ich den Satz ausspreche.
Wie befremdend und mächtig dieser Satz für viele von uns hochsensible Menschen sein kann.
Ich nehme mir diesen Raum.
Und damit ist der Raum gemeint, in dem das Leben stattfindet. Eine Begegnung, ein Ort, der Raum des Tages, etc.
«Ich nehme mir Platz und Raum in diesem Leben.»
Und es wurde ganz ruhig und ich habe gespürt, wie die Welt sich neu geordnet hat.
Dass alles nebeneinander und miteinander Platz hat und ich mir in diesem Miteinander meinen Raum nehmen kann.
Um es auf Bali umgesetzt zu beschreiben, nehme ich die Geistwesen nur noch am Rande wahr und fühle mich dadurch viel leichter und mehr bei mir. Ich weiss dass sie da sind und wenn ich mich auf sie konzentriere, aus dieser Haltung trete, werde ich sie wieder sehen und hören und werde bewegt von ihren Energien.
Es gibt Ruhe und Frieden und Achtung, wenn jeder sich selbst treu seinen Raum nimmt und darin weilt.
Provoziert durch dieses sehr eindrückliche Erlebnis mit der Geisterwelt in Bali, kam ich meinem ursprünglichsten Thema als hochsensitive Frau einen Schritt näher.
Treu und unbestechlich, bei mir bleiben dürfen und Grenzen haben.
Die Einsicht kam, als ich spürte, dass Integrität mir natürlich Grenzen gibt, ohne kämpfen zu müssen.
Wenn ich ehrlich zu mir stehe, dann schenke ich meinem Gegenüber, ob einem Menschen, einem Familiensystem oder einem anderen Bewusstseinsfeld, die gleiche Achtung.
Und da wir alle aus einer Quelle kommen, unabhängig von unserer weltlichen Haltung und Form, versteht jedes Wesen die Klarheit und die Würde, Achtsamkeit und Unbestechlichkeit von Integrität.
Integrität wirkt als energetischer Zustand, klar in der Kommunikation.
Sie ist klar, aufrecht und dicht und unbestechlich in ihrer Wirkung und Substanz.
Versuche einmal für dich Integrität als Energiezustand zu fühlen.
Versuche nicht mit dem Kopf in diese Erfahrung zu gehen und abzurufen oder zu entdecken, was du auf Grund von dem, was du weisst und vorstellst, zu erleben.
Lasse es einfach zu, dass dein Körper, dein Energiefeld, die den Zustand von Integrität zeigt, wie es sich für dich anfühlt.
Es genügt, dass du das Wort sagst.
Dafür darfst du einfach in der Ruhe sitzen und das Wort innerlich oder laut aussprechen und beobachten, wahrnehmen, wie es sich in dir und deinem Energiefeld anfühlt.
Integrität erlaubt die Vielfalt in Achtung nebeneinander zu sein.
Mehr braucht es nicht.
Wie eindrücklich.
Wenn ich mir selbst treu bin, ich weniger auf das um mich herum eingehe, es nicht brauche immer meine Türen offen zu halten, um alles zu sehen, zu fühlen, nachzuvollziehen und letztendlich verstehen zu wollen, bin ich im Frieden und der Ruhe, wo auch immer ich bin.
Dies lässt sich wunderbar auch auf andere Lebenssituationen übertragen,
Begegnungen, Veranstaltungen, Räume mit eigenen Schwingungen, die einem nicht ganz entsprechen, nicht wohl tun, anstrengend oder zu einnehmend sind. Situationen, in welchen man dazu neigt, sich zu verlieren, besonders, wenn man überflutet wird von vielen Signalen und Schwingen.
Integrität bedeutet für mich, ich bleibe mir und meinem Frieden treu.
Ich ruhe in meinem Herzraum, verbunden mit meiner Seele.
Meine Energie hat eine gute Dichte und Substanz, ich kann mich durch die Welt bewegen und in Begegnungen erleben und dabei halte ich meinen Klang und meine Farbe. Damit bin ich bei mir, bin sichtbar in meiner Art und habe meinen Platz.
Integrität schließt nichts aus, sie nimmt sich selbst an und damit gewährt sie auch dem anderen, dass sie sich vollständig selbst sein dürfen, mit allem, was diesen anderen ausmacht.
Damit kommt es zu echten und ehrlichen Begehungen mit allem, was ist.
Das ist Achtsamkeit, Ehrlichkeit und Treue zu meiner Wahrheit, wie ich die Wahrheit zu diesem Zeitpunkt wahrnehmen kann.
Auch dies erlaube ich mir, in der Treue zu bleiben, meine Wahrheit zu haben, die stetig im Wachstum ist. Es erlaubt es mir, klarer präsent zu sein.
Es ist der Zustand von Ich bin.
Ich bin und du bist.
Und ich fühle mich geborgen und sicher in mir, dann muss ich auch nicht immer das Umfeld scannen.
Ein Zustand der ist, ohne zu interagieren.
Natürlich sind wir im Alltag nicht immer ruhend, sondern auch aktiv im Austausch, ob das mit Menschen , der Natur oder einem Bewusstseinsfeld ist.
Wenn dieser Zustand des Ich-bin, als Basis Haltung immer im Hintergrund wirkt, hat unser Wesen, unser Mensch sein, einen guten Stand im Leben, sich mit einem guten inneren Fokus, dem Ich-bin, in den Austausch zu begeben.
Dann wird es möglich, mit hoher Integrität an der Welt teilzunehmen.
Und auszutauschen und zu bereichern, gegenseitig, nicht «nur» zu übernehmen und einfärben.
Wir sind alle immer wieder auf diesem Weg, das sehr luftige und entgrenzte Wesen der Hochsensitivität zu unserem Kern zurück zu verbinden.
Du brauchst keine dicke Haut, um geschützt zu sein, du brauchst vor allem deinen Platz und deine Integrität.
Hochsensitivität ist einerseits bedingt durch ein Nervensystem, das sehr rezeptiv ist.
Es stimmt, es ist angeboren, bei dem einen Menschen etwas mehr und bei dem anderen etwas weniger.
Wir sind diesem Sein aber nicht ausgeliefert, so dass es uns einfach übernimmt und
in unbestimmter Weise unser Mensch sein prägt. Wir dürfen unser Wesen stark wahrnehmendes Wesen kultivieren, bewusstwerden und mit Haltung lenken.
Es ist auch oft die Verquickung von angeborener Hochsensitivität und Glaubenssätzen, Verhaltensmustern, die sich daraus aus der Erfahrung gebildet haben und dem nicht Wissen, um diese eigene Wesensart und wie gut damit leben.
Oft kommt es im Laufe des Lebens zu einer Identifizierung bei Menschen mit der Wirkungsweise der Hochsensitivität und sie glauben, dass es ihre Aufgabe ist, alles zu fühlen, und alle zu verstehen und allem nachzugehen, was sie wahrnehmen.
Oft sind noch Glaubenssätze oder Emotionen dahinter, wie Ängste: Ich muss alles fühlen, ich muss alles nachvollziehen können, um mich orientieren zu können und sicher zu sein auf dieser Welt. Oder ich habe meinen Platz, wenn ich anderen diene, andere rette, wenn ich sie verstehe, mich anpasse, werde ich geschätzt und geliebt.
Oder es wird zu einer Waffe, um sich durchsetzen und über andere erheben zu können, um mit der eigenen hohen Verletzlichkeit durch die Durchlässigkeit umzugehen.
Alle Verhaltensmuster sind Überlebensstrategien des Individuums.
Alle Glaubenssätze entstanden aus Prägung und dem Versuch des Kindes, mit dieser Veranlagung einen Weg im Leben und seinen Platz zu finden, dazu zu gehören.
Ein wichtiger antreibender Faktor, dass Hochsensitive ihre Türen nicht schließen können oder wollen, ist auch die verführerische Neugier, der Rausch der Wahrnehmung, bei allem was sie wahrnehmen, nachzugehen.
Es lenkt dich von dir selbst ab.
Erlebst du dies in der Natur, in einer harmonischen Umgebung, kann dies für ein sehr erhebendes Erleben einer Einheit des Großen, eines Friedens sein.
Wenn du aber auf unstimmige Zustände triffst, dann kann es dich verlocken, etwas nachzugehen und klären zu wollen, dass dir deinen Frieden nimmt.
Du findest alles, was du brauchst, die Welt, die Fülle, die Heimat in dir.
Alles, was außen ist, ist auch in dir.
Wenn du alle Formen und Farben und Wirkungsweisen der Welt befühlen möchtest, wirst du dich als hochsensitives Wesen mit großer Wahrscheinlichkeit verlieren.
Entdecke das Funkeln in dir, dass du alles in dir trägst, alle Farben, alle Nuancen und Klänge.
Und es soll dich die Gabe der Empathie und Wahrnehmung nicht zerfleddern, indem du dich gezogen oder verpflichtet fühlst, allem nachzugehen.
Nur weil du es wahrnimmst, heißt es noch lange nicht, dass es deine wahre Aufgabe ist.
Du hast das Recht in dir zu ruhen und trotzdem bist du verbunden und gehörst dazu und trotzdem ist das Leben lebendig und spannend.
Auch das ist Treue und Integrität, deine Wahrheit zu leben als hochsensitives Wesen und nicht die Muster mit ihren unbewussten, nicht kultivierten Impulsen, die es dir aufgibt.
Raum haben und in sich ruhen, sind die wichtige Basis, um in einem guten Einklang mit dem sensitiven Wesen leben zu können.
Und Ruhe zulassen, kann die erste Hürde sein, die du nehmen darfst, damit es dir gut geht.
Ruhe ist nicht Leere, Ruhe ist nicht Langweile, sie gibt dir Raum für die Fülle in dir.
Die dann auch in noch klareren Farben, die Welt bereichern kann.
Du hast nicht nur nach außen gerichtet eine Wahrnehmung, um die Fülle wahrzunehmen. Deine Wahrnehmung kann sich auch nach innen richten und deine innere Fülle wahrnehmen und darin baden.
Deine Empathie und Wahrnehmung kommt zum Einsatz, sie hat ihren Sinn, ihre Aufgabe im Gewebe dieser Welt. Versuche sie bewusster einzusetzen, mehr im Einklang mit deinem Wohl sein, deiner Wahrheit, der Treue zu dir selbst.
Verlasse dich für nichts auf dieser Welt.
Nicht für Leid und nicht für Freude.
Nur um dazu zu gehören, um dem Schatten, dem Funken zu folgen, den du siehst.
Finde die Vielfalt, die Lebendigkeit in dir und stehe zu deinen Farben deiner Art.
Damit beginnt echte Begebung und aufrechte Verbundenheit mit allem, was ist, und es ist dann keine Symbiose mit der Welt, die dich verwirrt.
Dies wird dir Grenzen geben, obwohl du so durchlässig und wahrnehmend bist.
Zentrierung, Aufrichtung und Ehrlichkeit, die dir deinen Raum gibt.
Es ist wundervoll, ein stark wahrnehmender Mensch zu sein, wenn du dir deiner Wesensart bewusst bist und einen annehmende und achtsamen, bewussten Umgang damit findest.
Sei dir unbestechlich treu und halte deine Substanz, habe damit Raum für dein Wesen, dein Leben und sei damit eine Bereicherung für die Welt. Dies genügt.
